15 Sep

Wenn öffentlicher Raum historisch wird

Der Schlossplatz, Berlins historische Mitte, war in der Geschichte stets ein Ort politischer Macht. Hier regierten preußische Könige, deutsche Kaiser und die Machthaber der DDR. Jetzt soll das Schloss als Humboldt-Forum wiedererstehen. Was das Besondere an diesem öffentlichen Raum ist, erklären ein Zeitzeuge und eine Historikerin.

Von Sebastian Deliga und Juliane Ziegler

 

Der Berliner Schlossplatz wandelt sich

Die Humboldt-Box informiert über den geplanten Schlossbau - Foto: Juliane Ziegler

Bald nach der Wiedervereinigung stellte sich die Frage, was passieren soll mit dem Schlossplatz. Noch stand dort der

Palast der Republik. Doch der Prachtbau Ost-Berlins war asbestverseucht, wurde entkernt und ab 2006 schließlich abgerissen. Ab 2008 war der historische Platz nur noch eine leere Fläche. Ein Zentrum ohne Mitte.

Umstrittene Entscheidung

Ende des Zweiten Weltkriegs fielen bei Luftangriffen Bomben auf das Schloss – es brannte aus. Obwohl ein Wiederaufbau möglich gewesen wäre, beschloss die DDR-Führung den Abriss. Nach der Wiedervereinigung kam schnell die Idee auf, die historische Mitte Berlins wiederherzustellen. Auch die Rekonstruktion des Schlosses sollte dazugehören. Der Vorschlag war heftig umstritten. Die Gegner eines Wiederaufbaus sahen in dem Hohenzollernschloss ein Symbol für Militarismus und Monarchie, ein aus der Zeit gefallenes Bauwerk. Die Befürworter argumentierten, die Architektur in Mitte sei ohne das Schloss unvollständig, weil sich die Straßen, etwa der Boulevard Unter den Linden, auf das Schloss ausrichten.

Vom Machtsymbol zum Kulturzentrum

Fotomontage: Wird der Schlossplatz bald so aussehen? - Foto: Förderverein Berliner Schloss e.V.

Im Jahr 2002 beschloss der Deutsche Bundestag mit großer Mehrheit den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses als Humboldt-Forum. Der Schlossplatz als Ort politischer Macht sollte nun ein kulturelles Zentrum werden, unter anderem mit der außereuropäischen Sammlung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die Vorgaben des Bundestags für den Bau: Die Nord-, West- und Südseite des alten Schlosses sowie der Schlosshof, der sogenannte Schlüterhof, müssen originalgetreu rekonstruiert werden.

590 Millionen Euro bewilligt

Ende 2007 schrieb das Bundesbauministerium einen Architektenwettbewerb aus. Sieger wurde der italienische Architekt Francesco Stella. Im Juli 2011 setzte der Haushaltsausschuss des Bundestags die Gesamtkosten des Humboldt-Forums auf 590 Millionen Euro fest. Der Rest der Kosten, vor allem für den Bau der historischen Kuppel, muss der Förderverein Berliner Schloss e.V. durch Spenden finanzieren.

 

Drei Fragen an Dr. Elisabeth Kotsch, Historikerin, Förderverein Berliner Schloss e.V.

Dr. Elisabeth Kotsch engagiert sich für den Förderverein Berliner Schloss e.V.

Frau Dr. Kotsch, bitte erklären Sie uns die Geschichte des Schlossplatzes.

Warum wurde nach der Wiedervereinigung so viel über die Gestaltung des Schlossplatzes gestritten?

Warum ist der Berliner Schlossplatz städtebaulich so bedeutend?